Leuchtende Glühbirne in Erde-AdobeStock_276327274 ©AdobeStock

Monatsbericht: Nachhaltigkeitsrisiken rücken stärker in den Fokus der Bankenaufsicht

Nachhaltigkeitsrisiken gewinnen für Banken und Aufsicht weiter an Bedeutung, heißt es im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank. Banken sollten sich verstärkt mit den physischen Auswirkungen von Umweltrisiken auf ihre Portfolios auseinandersetzen, da diese in Zukunft zunehmen werden, schreiben die Fachleute.

ESG-Risiken als Bestandteil der Risikoinventur

Die im Rahmen einer Analyse befragten Institute untersuchen in ihrer Risikoinventur, ob und wie sich sogenannte ESG-Risiken –ein Sammelbegriff für die Berücksichtigung von Ereignissen aus den Bereichen Umwelt-, Soziales und Unternehmensführung –auf klassische Risikoarten wie Kredit-, Marktpreis- und operationelle Risiken auswirken. Während viele Institute im Jahr 2023 noch auf entsprechende Vorgaben seitens ihrer Verbände warteten, stehen diese inzwischen zur Verfügung und werden genutzt. Ein Großteil der Institute passt diese heute zudem an individuelle Gegebenheiten an.

Die Betrachtung erfolgt meist über verschiedene Zeithorizonte.  Teilweise werden dabei noch keine ausreichend langen Zeiträume berücksichtigt, schreiben die Fachleute.

Umweltrisiken im Vordergrund

Die befragten Institute sehen Umweltrisiken als die wichtigsten ESG-Risikotreiber. Als zentrale transitorische Risiken – solche, die sich durch den Übergang zu einer treibhausgasneutralen Wirtschaft ergeben – werden steigende CO-Preise und Energiekosten sowie Anforderungen im Bausektor genannt. Als größte physische Risiken werden Überschwemmungen und Dürren angesehen, heißt es im Bericht.

Diese Risikotreiber wirken sich nach Einschätzung der Institute vor allem auf das Kreditrisiko aus, indem sie die Rückzahlungsfähigkeit der Kreditnehmer beeinträchtigen und so das Ausfallrisiko erhöhen. Auswirkungen auf Marktpreis- und operationelle Risiken werden als geringer eingeschätzt, wobei physische Risiken teilweise auch das operationelle Risiko beeinflussen können.

ESG-Kennzahlen verbreitet, Zielwerte selten

Viele Institute nutzen ESG-bezogene Risikokennzahlen für die Steuerung. Es werden jedoch selten konkrete Zielwerte zur Operationalisierung der Strategie genannt, schreiben die Fachleute. Dies führe dazu, dass die strategische Umsetzung häufig noch unkonkret bleibe.

Teilweise kommen Maßnahmen wie Branchenausschlüsse oder Genehmigungsvorbehalte für Geschäfte mit erhöhten ESG-Risiken zum Einsatz. Nur wenige Institute messen bislang ihre finanzierten Emissionen, also die, die durch Unternehmen und Projekte, denen die Bank Kredite vergibt oder in die sie investiert, entstehen. 

Integration in zentrale Risikoprozesse

Die meisten Institute integrieren ESG-Risiken als Risikotreiber in ihre Risikotragfähigkeitskonzepte. In Stresstests ist die Integration weit fortgeschritten, indem entweder eigene ESG-Szenarien verwendet oder entsprechende Risikotreiber in bestehende Szenarien eingebunden werden.

Datenverfügbarkeit weiterhin eingeschränkt

Eine zentrale Herausforderung bleibt die Datenlage. Zwar haben laut Monatsbericht viele Institute Strategien zur Verbesserung der Datenbasis entwickelt, die derzeitige Verfügbarkeit bleibt jedoch begrenzt. Das betrifft auch die Genauigkeit von ESG-Scores, welche von vielen Instituten genutzt werden und bewerten, wie nachhaltig und verantwortungsvoll ein Unternehmen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung handelt. 

Berücksichtigung in der Kreditvergabe

Allgemein berücksichtigt die Mehrheit der Institute in der LSI-Umfrage Klimarisiken in ihrer Kreditvergabepraxis, insbesondere über den Ausschluss bestimmter Branchen, Segmente oder Emittenten und in der Sicherheitenbewertung, schreiben die Fachleute. Weitergehende Maßnahmen, etwa bei der Bepreisung von Krediten oder der Festlegung von Auftreffwahrscheinlichkeiten, sind bislang weniger verbreitet.