Vanessa ©privat

Von der Forschung zur Prognose: Mein Weg als Ökonomin Direkteinstieg - Volkswirtschaft

Hallo, mein Name ist Vanessa und ich arbeite im Bereich „Konjunkturanalyse und -prognose“. Schon während meines Bachelorstudiums der Wirtschaftswissenschaften und meiner Spezialisierung auf Volkswirtschaft im Master war mir klar, dass ich mich intensiver mit makroökonomischen Fragen beschäftigen möchte. Im letzten Mastersemester ging ich auf Empfehlung meines Doktorvaters nach Kanada und absolvierte in Vancouver einen zusätzlichen, stärker forschungsorientierten Master in Volkswirtschaftslehre. Dieser Studiengang bereitete mich dann gezielt auf eine Promotion vor.

In meiner Forschung spielte Geldpolitik immer eine zentrale Rolle. Außerdem war mir die gesellschaftliche Bedeutung meiner Arbeit immer wichtig. Deshalb wusste ich früh, dass ich gerne bei einer Zentralbank arbeiten möchte. So führte mich mein Weg zunächst nach Malta. Nach gut einem Jahr in der geldpolitischen Abteilung der Zentralbank von Malta ging ich schließlich zur Bundesbank.

Für mich war es wichtig, mit meiner Arbeit einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Ich hatte großes Glück mit meiner Ausbildung und meinen Möglichkeiten und wollte dieses Privileg in eine Tätigkeit einbringen, die dem Gemeinwohl dient. Eine Zentralbank vereint für mich genau das: Sie trägt dazu bei, Preisstabilität zu sichern und damit langfristig Wohlstand zu erhalten.

Aktuell arbeite ich auf einer auf zwei Jahre befristeten Stelle. Hintergrund ist der Umbau unserer Prognoseinfrastruktur, der viele Kolleginnen und Kollegen stark einbindet. Damit das umfangreiche Tagesgeschäft weiterhin abgedeckt werden kann, unterstütze ich als Allrounderin dort, wo Bedarf besteht. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Konjunkturanalyse: Ich verfasse Beiträge für die Monatsberichte, betreue redaktionell einzelne Themen und erstelle Kurzfristprognosen. Dabei analysieren wir aktuelle Daten und schätzen ein, was im laufenden oder im kommenden Quartal zu erwarten ist.

Ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit ist die Mitarbeit an der Deutschlandprognose, die jeweils im Juni und im Dezember veröffentlicht wird. Dort arbeite ich vor allem an der inhaltlichen Interpretation der Ergebnisse. Gemeinsam entwickeln wir ein stimmiges Gesamtbild auf Basis der Daten und Modelle: Was erwarten wir? Warum erwarten wir es? Und wie ordnen wir aktuelle Entwicklungen sinnvoll ein? Wenn es die Zeit erlaubt, bin ich außerdem an analytischen Projekten beteiligt, in denen wir aktuelle Fragestellungen auch quantitativ vertiefen.

Neben der fachlichen Arbeit gehören auch repräsentative Aufgaben zu meinem Tätigkeitsbereich. So habe ich zum Beispiel bei der Europäischen Zentralbank unsere Prognose vorgestellt. Außerdem besuchen wir Hochschulen, um unsere Arbeit zu präsentieren, und tauschen uns regelmäßig mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft aus. Dieser Dialog ist für unsere Arbeit sehr wertvoll.

Die akademische Welt in meinem Fachgebiet ist traditionell eher männlich geprägt, ebenso auch die älteren Generationen in der Bundesbank. In meiner aktuellen Arbeitsgruppe sind wir jedoch drei Frauen und vier Männer, also relativ ausgeglichen. Besonders positiv empfinde ich, dass bei uns die fachliche Kompetenz im Vordergrund steht und nicht das Geschlecht. Inzwischen gibt es in unserem Fachbereich auch die erste Abteilungsleiterin. Es tut sich also spürbar etwas.

Auch wenn ich selbst noch keine Kinder habe, erlebe und nutze ich die große Flexibilität und Unterstützung des Arbeitgebers sehr positiv. Unterschiedliche Arbeitsmodelle ermöglichen es, Beruf und Privatleben gut miteinander zu vereinbaren. Das kannte ich von meinen vorherigen Stationen so nicht, und ich bin froh, dass dies hier sehr konsequent umgesetzt wird.

Natürlich bringt eine befristete Stelle immer eine gewisse Unsicherheit mit sich – man weiß nicht genau, wie es danach weitergeht. Gleichzeitig sehe ich darin auch eine Chance: Gerade durch den demografischen Wandel und den stetigen Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften ergeben sich bei der Bundesbank immer wieder neue Perspektiven. Entscheidend ist aus meiner Sicht, offen und flexibel zu bleiben, auch einmal den Bereich zu wechseln oder neue Aufgaben zu übernehmen. Als Ökonomin ist man hierfür breit aufgestellt. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass sich auch über eine befristete Stelle hinaus spannende berufliche Wege innerhalb der Bundesbank eröffnen können.